Das Reinheitsgebot und die deutschen Bierstile: von Pils und Helles bis Weißbier, Kölsch und Bock
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Deutschland hat eine der vielfältigsten Bierkulturen der Welt, mit über tausend Brauereien und Tausenden Biermarken. Wer mehr als „ein Bier, bitte“ bestellen möchte, findet hier einen Überblick über Geschichte, Zutaten und die wichtigsten Stile.
1. Das Reinheitsgebot von 1516
Am 23. April 1516 erließen die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt eine Verordnung, nach der für Bier nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden durften. Die Hefe kannte man damals noch nicht als Zutat; sie kam später hinzu.
Ziele waren unter anderem, Weizen und Roggen für das Brot zu sichern und gefährliche Zusätze zu verhindern.
Heute regelt das Vorläufige Biergesetz beziehungsweise die Bierverordnung, was in deutsches Bier darf. Für untergärige Biere sind Malz, Hopfen, Hefe und Wasser erlaubt; für obergärige gelten einige Ausnahmen, etwa Weizenmalz. Der 23. April wird als „Tag des Deutschen Bieres“ gefeiert.
2. Die vier Zutaten
Malz: gekeimtes und getrocknetes Getreide, meist Gerste. Es liefert Zucker für die Gärung, Farbe und Körper. Helles Malz ergibt helle Biere, geröstetes Malz dunkle.
Hopfen: sorgt für Bitterkeit, Aroma und Haltbarkeit. Die Hallertau in Bayern ist eines der größten Hopfenanbaugebiete der Welt.
Hefe: macht aus Zucker Alkohol und Kohlensäure und prägt den Geschmack stark.
Wasser: Weiches oder hartes Wasser beeinflusst, welche Stile in einer Region entstanden sind.
3. Untergärig und obergärig
Untergärige Hefe arbeitet bei kühlen Temperaturen und ergibt klare, saubere Biere: Pils, Helles, Export, Märzen, Bock.
Obergärige Hefe arbeitet wärmer und bringt fruchtige Noten: Weißbier, Kölsch, Altbier.
4. Die wichtigsten Stile
Pils: hell, schlank und deutlich hopfenbitter. Das meistgetrunkene Bier in Deutschland, besonders im Norden.
Helles: das bayerische Alltagsbier, malzbetonter, weicher und weniger bitter als Pils.
Export: etwas kräftiger und alkoholreicher, typisch für Dortmund.
Märzen und Festbier: bernsteinfarben bis golden, vollmundig. Das Bier, das man mit dem Oktoberfest verbindet, ist heute meist ein helles Festbier.
Weißbier oder Weizen: mit mindestens 50 Prozent Weizenmalz, obergärig, mit Aromen von Banane und Nelke. Als Hefeweizen trüb, als Kristallweizen gefiltert. Wird im hohen, schlanken Glas serviert.
Kölsch: hell, leicht und spritzig aus Köln, in schmalen 0,2-Liter-Stangen. Der Köbes, der Kellner, stellt so lange ein neues Glas hin, bis man einen Bierdeckel auf das Glas legt.
Altbier: dunkel-kupferfarben und herb, die Spezialität von Düsseldorf. Zwischen Köln und Düsseldorf besteht eine gepflegte Bier-Rivalität.
Bock und Doppelbock: stark, malzig, oft um die sieben Prozent Alkohol oder mehr. Doppelböcke tragen häufig Namen auf „-ator“.
Schwarzbier: fast schwarz, aber überraschend leicht, typisch für Thüringen und Sachsen.
Rauchbier: aus Bamberg, mit Malz, das über Buchenholz geräuchert wurde. Schmeckt nach Schinken und spaltet die Meinungen.
Berliner Weisse und Gose: säuerliche, leichte Biere; Gose aus Leipzig enthält Salz und Koriander und gilt als Ausnahme vom Reinheitsgebot.
5. Bierkultur
Biergärten: In Bayern darf man in vielen traditionellen Biergärten die eigene Brotzeit mitbringen, Getränke kauft man vor Ort.
Prost: Beim Anstoßen schaut man sich in die Augen.
Pfand: Flaschen kosten Pfand, das man bei der Rückgabe im Supermarkt zurückbekommt.
Alkoholfreies Bier und Radler (Bier mit Limonade) sind in Deutschland sehr verbreitet und gut.
6. Verantwortungsvoll genießen
Biere unterscheiden sich stark im Alkoholgehalt. Ein Doppelbock ist kein Durstlöscher. Wer fährt, trinkt am besten gar nicht.
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