Inflation verstehen: wie sie gemessen wird, warum die EZB zwei Prozent anstrebt und was steigende Preise für Ihr Geld bedeuten
TUREFF• •0
Inflation ist eines der Wörter, die in den Nachrichten ständig vorkommen, besonders seit den kräftigen Preissteigerungen der Jahre 2022 und 2023. Doch was genau wird da gemessen, und warum reagiert die Europäische Zentralbank mit Zinsen darauf?
Was Inflation ist
Inflation bedeutet, dass das allgemeine Preisniveau steigt. Mit demselben Geldbetrag kann man sich also weniger kaufen. Steigen die Preise einzelner Produkte, etwa Butter, ist das noch keine Inflation; entscheidend ist der breite Anstieg über viele Waren und Dienstleistungen hinweg.
Wie sie gemessen wird
In Deutschland berechnet das Statistische Bundesamt jeden Monat den Verbraucherpreisindex. Dafür gibt es einen "Warenkorb" mit Hunderten von Gütern und Dienstleistungen: Lebensmittel, Mieten, Energie, Kleidung, Reisen und vieles mehr. Jedes Gut ist danach gewichtet, wie viel die Haushalte im Durchschnitt dafür ausgeben.
Für den Vergleich im Euroraum gibt es zusätzlich den Harmonisierten Verbraucherpreisindex, der nach einheitlichen Regeln in allen Euroländern berechnet wird. Er ist die Größe, auf die die EZB schaut.
Die gemeldete Inflationsrate vergleicht meist das Preisniveau mit dem des Vorjahresmonats.
Warum die eigene Inflation anders aussieht
Wer viel Auto fährt, eine alte Ölheizung hat oder gerade umgezogen ist, spürt Preissteigerungen anders als der Durchschnittshaushalt. Das Statistische Bundesamt bietet einen persönlichen Inflationsrechner an, mit dem man die Gewichte an den eigenen Verbrauch anpassen kann.
Warum zwei Prozent
Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Warum nicht null?
Leicht steigende Preise geben einen Puffer gegen die Deflation, also sinkende Preise, die dazu führen können, dass Menschen Käufe aufschieben und die Wirtschaft schrumpft.
Die Messung überschätzt die Inflation leicht, etwa weil Qualitätsverbesserungen schwer zu erfassen sind.
Ein Puffer über null lässt der Zentralbank mehr Spielraum, die Zinsen in einer Krise zu senken.
Wie die Zinsen wirken
Ist die Inflation zu hoch, erhöht die EZB die Leitzinsen. Kredite werden teurer, Sparen lohnt sich mehr, Unternehmen und Haushalte geben weniger aus, und die Nachfrage sinkt, was den Preisdruck dämpft. Das wirkt mit Verzögerung, oft über ein bis zwei Jahre. Ist die Inflation zu niedrig, senkt die EZB die Zinsen.
Was Inflation für Ihr Geld bedeutet
Geld auf dem Girokonto verliert real an Wert, wenn die Inflation höher ist als der Zins.
Für Ersparnisse lohnt es sich, Tagesgeld- und Festgeldangebote zu vergleichen und für langfristige Ziele über breit gestreute Anlagen nachzudenken.
Schulden mit festem Zins werden durch Inflation real leichter, Kredite mit variablem Zins können dagegen teurer werden.
Bei Lohnverhandlungen spielt die Inflation eine wichtige Rolle: Eine Lohnerhöhung unter der Inflationsrate ist real ein Verlust.
Aktuelle Zahlen zur Inflation veröffentlichen das Statistische Bundesamt und die Bundesbank auf ihren Websites.