Koreanische Literatur entdecken: Nobelpreisträgerin Han Kang und weitere Autorinnen und Autoren in deutscher Übersetzung

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Seit Han Kang 2024 als erste Koreanerin den Literaturnobelpreis erhalten hat, fragen sich viele Leserinnen und Leser: Wo fange ich mit koreanischer Literatur an? Inzwischen ist eine wachsende Zahl koreanischer Bücher ins Deutsche übersetzt. Hier eine kleine Orientierung. Han Kang Die Vegetarierin: Eine Frau hört plötzlich auf, Fleisch zu essen, und ihre Familie reagiert mit stiller, aber zunehmender Gewalt. Kurz, verstörend, ausgezeichnet mit dem International Booker Prize. Für viele der beste Einstieg. Menschenwerk: über den Aufstand in Gwangju 1980, der vom Militär blutig niedergeschlagen wurde, erzählt aus mehreren Perspektiven. Schwere Kost, aber wichtig, um das heutige Korea zu verstehen. Weiß: ein poetisches, fragmentarisches Buch über Trauer, zusammengesetzt aus kurzen Texten über weiße Dinge. Griechischstunden: Eine Frau, die ihre Sprache verloren hat, und ein Lehrer für Altgriechisch, der sein Augenlicht verliert, begegnen sich. Ihr jüngster Roman über das Massaker auf der Insel Jeju 1948 erzählt von Erinnerung, die über Generationen weitergegeben wird. Weitere Empfehlungen Cho Nam-joo, Kim Jiyoung, geboren 1982: das Leben einer ganz gewöhnlichen Frau, an dem sichtbar wird, wie tief Geschlechterungleichheit in der Gesellschaft verankert ist. In Korea und ganz Asien ein gesellschaftliches Phänomen. Kim Young-ha: schwarzhumorige Romane, darunter ein Thriller, erzählt von einem ehemaligen Serienmörder, der an Demenz erkrankt. Hwang Sok-yong: einer der großen Erzähler Koreas, mit Romanen über die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Shin Kyung-sook: einfühlsame Romane über Familie und Erinnerung. Bora Chung: fantastische und unheimliche Erzählungen mit schwarzem Humor, international viel beachtet. Bae Suah: experimentelle, traumartige Prosa; sie lebt zeitweise in Deutschland und übersetzt selbst aus dem Deutschen ins Koreanische. Wiederkehrende Themen Die jüngere Geschichte: japanische Kolonialzeit, Koreakrieg, Militärdiktatur und Demokratisierung. Familie: Pflichten gegenüber den Eltern, Erwartungsdruck, Konflikte zwischen den Generationen. Eine sehr leistungsorientierte Gesellschaft: Schule, Studium, Arbeit. Das Unheimliche: Viele jüngere Autorinnen und Autoren verbinden Realismus mit Horror und Fantastik. Tipps zum Lesen Koreanische Namen werden mit dem Familiennamen zuerst geschrieben: Bei Han Kang ist Han der Familienname. Ein wenig historischer Hintergrund hilft. Vor „Menschenwerk“ lohnt sich ein kurzer Blick auf den Aufstand in Gwangju. Achte auf die Übersetzerinnen und Übersetzer: Wer einen Übersetzer schätzt, findet oft weitere gute Bücher. Viele Stadtbibliotheken haben ihre Bestände an koreanischer Literatur ausgebaut, und über die Onleihe lassen sich manche Titel als E-Book ausleihen. Das Koreanische Kulturzentrum in Berlin organisiert Lesungen mit Autorinnen und Autoren. Wer koreanische Serien und Filme mag, findet in der Literatur dieselben Themen in größerer Tiefe, und einige Romane wurden bereits verfilmt.

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