Polarlichter in Deutschland sehen: wann sie bis zu uns kommen, Kp-Index und Weltraumwetter-Apps, die besten Orte und wie man sie fotografiert
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Polarlichter verbindet man mit Norwegen, Island oder Finnland. Doch bei starken Sonnenstürmen sind sie auch in Deutschland zu sehen, manchmal sogar bis in den Süden. In den letzten Jahren gab es mehrere solche Nächte, in denen Menschen von der Nordsee bis zu den Alpen rote und grüne Lichter am Himmel fotografierten.
Wie entstehen Polarlichter?
Die Sonne schleudert bei Ausbrüchen große Mengen elektrisch geladener Teilchen ins All. Treffen sie auf das Magnetfeld der Erde, werden sie zu den Polen gelenkt und regen in der oberen Atmosphäre Sauerstoff- und Stickstoffatome zum Leuchten an. Sauerstoff leuchtet grün in mittleren Höhen und rot in großen Höhen, Stickstoff violett bis bläulich.
Normalerweise liegt das „Polarlichtoval“ weit im Norden. Bei starken geomagnetischen Stürmen dehnt es sich nach Süden aus, und dann sind die Lichter auch in Mitteleuropa sichtbar, meist tief am Nordhorizont, bei sehr starken Stürmen auch hoch am Himmel.
Wann ist die Chance gut?
Die Sonne hat einen etwa elfjährigen Aktivitätszyklus. Um das Maximum herum und in den Jahren danach sind starke Sonnenstürme häufiger.
Polarlichter lassen sich nur kurzfristig vorhersagen: Nach einem großen Sonnenausbruch brauchen die Teilchen meist ein bis drei Tage bis zur Erde.
Der Kp-Index misst die Stärke geomagnetischer Störungen auf einer Skala von 0 bis 9. Für Norddeutschland braucht es grob Werte ab etwa 6, für Süddeutschland eher 7 bis 8 oder mehr. Weltraumwetter-Apps und Websites zeigen Vorhersagen und Echtzeitwerte und schicken auf Wunsch Benachrichtigungen.
Ein Blick in Polarlicht-Gruppen in sozialen Netzwerken hilft ebenfalls: Dort melden Beobachter, ob gerade etwas zu sehen ist.
Die besten Bedingungen
Dunkelheit: weit weg von Städten und Straßenlaternen, am besten in ländlichen Gegenden oder Sternenparks.
Freie Sicht nach Norden: Küste, Felder, Anhöhen oder Seen mit freiem Nordhorizont.
Klarer Himmel: Wolken verdecken alles; die Bewölkungsvorhersage ist genauso wichtig wie der Kp-Index.
Kein Vollmond, wenn möglich.
Geduld: Polarlichter kommen in Wellen. Eine ruhige Phase kann plötzlich in ein intensives Leuchten übergehen.
Mit bloßem Auge oder mit der Kamera?
In Deutschland sieht man schwache Polarlichter mit bloßem Auge oft nur als grauen oder leicht rötlichen Schimmer. Die Kamera ist empfindlicher: Auf Fotos erscheinen die Farben deutlich kräftiger. Bei sehr starken Stürmen sind die Farben aber auch mit bloßem Auge klar erkennbar.
Fotografieren mit dem Smartphone
Nachtmodus oder Pro-Modus mit Belichtungszeiten von mehreren Sekunden verwenden.
Das Handy auf ein Stativ stellen oder fest auflegen.
Blitz aus, Fokus auf unendlich, Selbstauslöser nutzen.
Mit einer Systemkamera: Weitwinkelobjektiv, große Blende, ISO 800 bis 3200, Belichtung 5 bis 20 Sekunden, je nach Helligkeit der Lichter.
Etwas Landschaft im Vordergrund macht das Bild lebendiger.
Was mitnehmen?
Warme Kleidung, auch im Frühling und Herbst, eine Thermoskanne, eine Stirnlampe mit Rotlicht, Ersatzakku und Geduld. Respektiere Naturschutzgebiete, Privatgrund und nächtliche Ruhe, und stell das Auto nicht auf Feldwegen oder Zufahrten ab.