Kaninchen artgerecht halten: nie allein, wie viel Platz sie brauchen, Heu statt Trockenfutter, Impfungen gegen RHD und Myxomatose

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Kaninchen gehören in Deutschland zu den beliebtesten Heimtieren, und immer noch landen viele von ihnen allein in einem kleinen Käfig im Kinderzimmer. Dabei sind Kaninchen gesellige, bewegungsfreudige Tiere mit einer Lebenserwartung von oft 8 bis 12 Jahren. Wer sich für sie entscheidet, sollte vorher wissen, was sie wirklich brauchen. Kaninchen nie allein halten Kaninchen sind Gruppentiere. Eine Einzelhaltung ist nicht artgerecht, und auch ein Meerschweinchen ist kein Ersatz für einen Artgenossen: Die beiden sprechen nicht dieselbe Sprache. Bewährt hat sich ein kastriertes Männchen mit einem Weibchen oder kleine Gruppen. Rammler sollten kastriert werden, auch um ungewollten Nachwuchs zu vermeiden. Nach der Kastration kann ein Rammler noch einige Wochen zeugungsfähig sein. Die Vergesellschaftung neuer Tiere braucht Geduld und einen neutralen Ort. Ein Tierarzt oder eine Kaninchenhilfe kann dabei beraten. Platz und Bewegung Ein handelsüblicher Käfig ist als alleinige Unterkunft zu klein. Tierschutzorganisationen und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz empfehlen für zwei Kaninchen eine dauerhaft zugängliche Fläche von mindestens etwa 6 Quadratmetern, bei mehr Tieren entsprechend mehr. Aktuelle Empfehlungen finden Sie in den Merkblättern der TVT. Gut geeignet sind ein Kaninchenzimmer, ein großes Innengehege oder ein ausbruchsicheres Außengehege. Kaninchen müssen hoppeln, Haken schlagen, sich aufrichten und graben können. Mehrere Rückzugsorte, erhöhte Ebenen und Buddelmöglichkeiten gehören dazu. Außenhaltung ist ganzjährig möglich, wenn die Tiere daran gewöhnt sind, einen wetterfesten, trockenen Schutzraum haben und das Gehege gegen Marder, Füchse und Greifvögel gesichert ist. Hitze vertragen Kaninchen schlechter als Kälte: Im Sommer brauchen sie Schatten. Fütterung: Heu und Frisches Heu muss immer in unbegrenzter Menge zur Verfügung stehen. Es ist die Grundlage der Ernährung und nutzt die ständig nachwachsenden Zähne ab. Dazu täglich Frischfutter: Wiesenkräuter, Löwenzahn, Gras, Blattgemüse wie Salate, Kräuter und Gemüsegrün. Neues Futter langsam einführen. Obst nur in kleinen Mengen, weil es viel Zucker enthält. Frisches Wasser muss immer bereitstehen, am besten in einem schweren Napf. Auf Trockenfutter mit Getreide, bunte Futtermischungen, Knabberstangen mit Honig oder Joghurtdrops sollte man verzichten. Sie fördern Zahnprobleme, Übergewicht und Verdauungsstörungen. Brot ist kein Kaninchenfutter. Impfungen Gegen die tödlichen Viruserkrankungen RHD (Chinaseuche, beide Varianten RHD-1 und RHD-2) und Myxomatose gibt es Impfungen. Sie werden auch für reine Wohnungskaninchen empfohlen, weil die Erreger über Insekten, Heu oder Kleidung eingeschleppt werden können. Fragen Sie Ihre Tierarztpraxis nach dem passenden Impfschema und den Auffrischungsintervallen. Gesundheit im Blick Kaninchen verbergen Schmerzen. Kontrollieren Sie täglich, ob alle fressen und Kot absetzen. Ein Kaninchen, das nicht frisst oder keinen Kot mehr absetzt, ist ein Notfall. Gehen Sie noch am selben Tag zum Tierarzt. Zähne, Krallen und das Hinterteil regelmäßig kontrollieren. Ein verschmutztes Hinterteil kann im Sommer zu Fliegenmadenbefall führen. Suchen Sie sich eine Praxis mit Erfahrung bei Kaninchen, bevor Sie sie brauchen. Kaninchen und Kinder Kaninchen sind Fluchttiere und lassen sich meist nicht gern hochheben oder herumtragen. Für Kinder sind sie deshalb eher Tiere zum Beobachten als zum Kuscheln. Die Verantwortung liegt immer bei den Erwachsenen. Statt beim Züchter oder im Zoohandel zu kaufen, lohnt ein Blick ins Tierheim oder zu einer Kaninchenhilfe: Dort warten viele Tiere, oft schon kastriert und geimpft.

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