Deutsche Weine verstehen: Riesling und andere Rebsorten, Anbaugebiete, Prädikate und wie man ein Etikett liest
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Deutsche Weine, allen voran der Riesling, gehören zu den angesehensten Weißweinen der Welt. Gleichzeitig sind deutsche Etiketten für viele schwer zu lesen: Prädikate, Lagen, Geschmacksangaben. Dieser Überblick hilft beim nächsten Einkauf.
1. Die Anbaugebiete
Deutschland hat 13 Weinanbaugebiete, fast alle im Süden und Westen entlang von Flüssen. Die bekanntesten:
Mosel: steile Schieferhänge, filigrane, oft leicht fruchtsüße Rieslinge mit niedrigem Alkohol.
Rheingau: elegante, kräftigere Rieslinge, traditionsreiche Weingüter.
Pfalz: das zweitgrößte Gebiet, warm, mit vielen Rebsorten von Riesling bis Spätburgunder.
Rheinhessen: das größte Anbaugebiet, mit vielen jungen, innovativen Winzern.
Baden: das südlichste Gebiet, bekannt für Burgundersorten.
Franken: Silvaner in der typischen bauchigen Bocksbeutel-Flasche.
Dazu kommen kleinere Gebiete wie Nahe, Ahr, Württemberg, Mittelrhein, Saale-Unstrut, Sachsen und Hessische Bergstraße.
2. Die wichtigsten Rebsorten
Riesling: die Königin der deutschen Weine. Hohe Säure, Aromen von Apfel, Pfirsich, Zitrus und mit dem Alter oft eine Petrolnote. Von knochentrocken bis edelsüß.
Müller-Thurgau (Rivaner): mild, unkompliziert, viel angebaut.
Silvaner: dezent, erdig, ein klassischer Essensbegleiter, besonders zu Spargel.
Grauburgunder und Weißburgunder: rund und cremig, beliebt in Baden und der Pfalz.
Spätburgunder (Pinot Noir): die wichtigste Rotweinsorte. Deutsche Spätburgunder haben in den letzten Jahrzehnten international stark an Ansehen gewonnen.
Dornfelder: farbintensiver, fruchtiger Rotwein für jeden Tag.
3. Qualitätsstufen und Prädikate
Deutscher Wein und Landwein: einfache Tischweine.
Qualitätswein: aus einem bestimmten Anbaugebiet, die meisten Weine im Handel.
Prädikatswein: Die Stufen richten sich traditionell nach dem Zuckergehalt der Trauben bei der Lese, nicht nach der Süße des fertigen Weins:
Kabinett: leicht, oft niedriger Alkohol.
Spätlese: aus später gelesenen, reiferen Trauben.
Auslese: aus ausgewählten, sehr reifen Trauben.
Beerenauslese und Trockenbeerenauslese: aus edelfaulen, eingeschrumpften Beeren. Konzentrierte, sehr süße Raritäten.
Eiswein: aus Trauben, die gefroren gelesen und gepresst werden. Durch wärmere Winter immer seltener.
Wichtig: Eine Spätlese kann trocken oder süß sein. Auf die Geschmacksangabe achten.
4. Geschmacksangaben
Trocken: kaum Restzucker.
Halbtrocken und feinherb: mit spürbarer, aber ausgewogener Süße. „Feinherb“ ist nicht gesetzlich definiert und wird von Winzern unterschiedlich verwendet.
Lieblich und süß: deutlich süß.
Ist auf dem Etikett nichts angegeben, ist der Wein häufig nicht trocken. Im Zweifel nachfragen.
5. Lagen und VDP
Viele Spitzenweingüter sind im Verband der Prädikatsweingüter (VDP) organisiert, erkennbar am Traubenadler auf der Kapsel. Der VDP hat ein eigenes Lagensystem nach dem Vorbild Burgunds: Gutswein, Ortswein, Erste Lage und Große Lage. Ein trockener Wein aus einer Großen Lage heißt „Großes Gewächs“, abgekürzt GG.
6. Wein und Essen
Riesling Kabinett mit leichter Süße passt hervorragend zu scharfen asiatischen Gerichten.
Silvaner und Weißburgunder zu Spargel.
Spätburgunder zu Wild, Geflügel oder Pilzgerichten.
7. Weinfeste und Straußwirtschaften
Im Sommer und Herbst feiern viele Weinorte Weinfeste. Straußwirtschaften oder Besenwirtschaften sind einfache Lokale, in denen Winzer für einige Wochen im Jahr ihren eigenen Wein und einfache Speisen anbieten – eine schöne Art, Weine vor Ort kennenzulernen.
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