Ausbildung in Deutschland: duales System, den passenden Beruf finden, Bewerbung, Vergütung, Probezeit, Berufsschule und Prüfungen
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Rund die Hälfte eines Jahrgangs in Deutschland beginnt nach der Schule eine Berufsausbildung. Die duale Ausbildung, also Lernen im Betrieb und in der Berufsschule zugleich, gilt international als Vorbild. Trotzdem fällt vielen Jugendlichen und Eltern der Einstieg schwer: Welcher Beruf passt? Wann bewirbt man sich? Was verdient man? Dieser Überblick hilft.
Wie die duale Ausbildung funktioniert
Die Ausbildung findet an zwei Orten statt: im Ausbildungsbetrieb, wo man praktisch arbeitet, und in der Berufsschule, wo Theorie und allgemeine Fächer unterrichtet werden. Die Berufsschule findet je nach Beruf an einzelnen Tagen pro Woche oder in Blöcken statt.
Es gibt über 300 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe, von Industriemechaniker und Elektronikerin über Kaufmann im Einzelhandel und Fachinformatikerin bis zu Pflegefachkraft und Bäckerin.
Eine duale Ausbildung dauert meist zwei bis dreieinhalb Jahre. Mit guten Leistungen oder Abitur kann sie oft verkürzt werden.
Daneben gibt es schulische Ausbildungen, etwa in manchen Gesundheits- und Sozialberufen, bei denen der Unterricht an einer Berufsfachschule im Mittelpunkt steht.
Den passenden Beruf finden
Praktika während der Schulzeit sind der beste Weg, Berufe kennenzulernen.
Die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit bietet kostenlose Beratung und Orientierungstests an. Auf ihren Seiten findet man Beschreibungen aller Ausbildungsberufe.
Ausbildungsmessen, Tage der offenen Tür in Betrieben und Gespräche mit Azubis geben ein realistisches Bild vom Alltag.
Fragen Sie sich: Arbeite ich lieber mit Menschen, mit Technik, mit Zahlen, draußen oder drinnen?
Bewerbung und Zeitplan
Die meisten Ausbildungen beginnen im August oder September.
Größere Unternehmen suchen ihre Azubis oft schon ein Jahr im Voraus. Eine Bewerbung im Herbst oder Winter des Vorjahres ist deshalb sinnvoll. Kleinere Betriebe und das Handwerk vergeben Plätze teilweise bis kurz vor Ausbildungsbeginn.
Freie Stellen finden Sie in der Jobbörse der Arbeitsagentur, in den Lehrstellenbörsen der Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern, auf Unternehmensseiten und in Jobportalen.
Zur Bewerbung gehören meist ein Anschreiben, ein Lebenslauf und die letzten Zeugnisse. Viele Betriebe nutzen inzwischen Online-Formulare.
Danach folgen oft ein Einstellungstest und ein Vorstellungsgespräch.
Ausbildungsvertrag und Vergütung
Vor Beginn wird ein schriftlicher Ausbildungsvertrag geschlossen. Er regelt Dauer, Vergütung, Urlaub, Arbeitszeit und Probezeit. Bei Minderjährigen unterschreiben auch die Eltern.
Die Ausbildungsvergütung steigt mit jedem Ausbildungsjahr. Für Betriebe ohne Tarifbindung gilt eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung, die jährlich angepasst wird. In vielen Branchen liegt die tarifliche Vergütung deutlich darüber. Die aktuellen Beträge finden Sie beim Bundesinstitut für Berufsbildung.
Wer nicht mehr bei den Eltern wohnen kann, kann unter bestimmten Voraussetzungen Berufsausbildungsbeihilfe bei der Arbeitsagentur beantragen.
Kindergeld wird während der Ausbildung in der Regel weiter gezahlt, solange die Voraussetzungen erfüllt sind.
Probezeit, Rechte und Pflichten
Die Probezeit dauert mindestens einen und höchstens vier Monate. In dieser Zeit können beide Seiten ohne Angabe von Gründen und ohne Frist kündigen.
Nach der Probezeit kann der Betrieb nur noch aus wichtigem Grund kündigen. Azubis können mit einer Frist von vier Wochen kündigen, wenn sie die Ausbildung aufgeben oder einen anderen Beruf erlernen wollen.
Azubis haben das Recht, nur Tätigkeiten zu übernehmen, die dem Ausbildungszweck dienen. Dauerhaftes Kaffeekochen oder Lagerarbeit ohne Bezug zum Beruf gehört nicht dazu.
Der Betrieb muss die Zeit für die Berufsschule freistellen.
Für Jugendliche unter 18 Jahren gelten zusätzliche Schutzregeln des Jugendarbeitsschutzgesetzes, etwa bei Arbeitszeit, Pausen und Urlaub.
Bei Problemen helfen die Ausbildungsberater der Kammern, die Jugend- und Auszubildendenvertretung im Betrieb oder die Gewerkschaften.
Prüfungen und Abschluss
In vielen Berufen gibt es eine Zwischenprüfung oder einen ersten Teil der Abschlussprüfung etwa zur Hälfte der Ausbildung.
Die Abschlussprüfung wird von der zuständigen Kammer abgenommen, zum Beispiel der IHK oder der Handwerkskammer.
Mit dem Abschluss hat man einen anerkannten Berufsabschluss. Danach sind Weiterbildungen wie Meister, Techniker oder Fachwirt möglich, und mit bestimmten Abschlüssen und Berufserfahrung auch ein Studium ohne Abitur.
Für Menschen aus dem Ausland
Auch Menschen mit ausländischem Schulabschluss können eine Ausbildung in Deutschland machen. Dafür sind in der Regel ausreichende Deutschkenntnisse und, je nach Herkunftsland, ein passender Aufenthaltstitel nötig. Informationen bieten die Arbeitsagentur und das offizielle Portal der Bundesregierung für Fachkräfte aus dem Ausland.